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Brocken Challenge 2010 Drucken
Ultralauf - Berichte
Geschrieben von: Wolf Armin   

Ein harter Brocken......Die Brocken Challenge 2010

Eigentlich hätte der Bericht kürzer werden sollen, aber bei 87 km und 2200 Höhenmeter nur schwer möglich.

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Die Anreise Freitag 05.02.2010 Nachmittag zur 7. Brocken Challenge war trotz der knapp 470 km der leichteste Teil an diesem Wochenende.

Nach etwa 5 Stunden Fahrtzeit ging es gleich zum Reiterhof am Kehr weiter. Oben angekommen waren noch einige Helfer damit beschäftigt, den Frühstücksraum (Alter Tanzsaal) für Samstag früh herzurichten. Im Rückspiegel erkannte ich hüpfend und winkend Dieter Ulbricht (auch „UltraHabicht" genannt), den Inhaber und fleißigen und begnadeten Laufberichtschreiber der Internetseite www.laufkultur.de .

Nach einer herzlichen Begrüßung sagte mir Dieter, er habe schon einen Schlafplatz für uns ausgespäht. Ich folgte ihm und landete im Reiterstüberl (lustig, in Reiterstüberln habe ich schon manch lustige Dinge erlebt).

Schlafplatz

Beim Aufblasen meiner Luftmatratze konnte ich die Pferde in der Reithalle beobachten und musste an unser Ross zuhause denken. Hätte ich es doch nur mitgenommen, so müsste ich mich morgen nicht den Brocken hoch quälen. Doch ich hab es so gewollt und auch dafür bezahlt. Nein gespendet. Die Brocken Challenge ist ein Wohltätigkeitslauf, bei dem sämtliche Startgelder, Spenden und Überschüsse als Spendengelder übergeben werde. In diesem Jahr kamen so über 10.000,00 € für das Hospiz an der Lutter und die Bahnhofsmission in Göttingen zusammen.

Anschließend ging es zur Vorbesprechung ins Institut für Sportwissenschaften (IfS) der Uni Göttingen. Ca. 100 Teilnehmer trudelten dort allmählich in den Hörsaal ein und lauschten nach Abholung der Startunterlagen den Reden der Organisatoren.

uni

Es ging immer wieder ein Raunen durch die Menge, als Markus (der Mitbegründer der BC) uns über die aktuellen Streckenänderungen und Sperrungen informierte:

  • Die Fräse wird nicht fräsen. Damit ist nach Einschätzung der Veranstaltungsleitung, die gestern vor Ort war, ein durchgängiges Belaufen der Strecke Göttingen - Brocken in einem für die Mehrheit vertretbaren Zeitrahmen morgen nicht möglich.
  • Streckensperrung wegen Schneebruchgefahr
  • Umleitung über Bundesstraße (mit Autotransfer)
  • um 17h war die Loipe Königskrug - Oderbrück zum wiederholten Male gesperrt worden Am Samstag um 8h (= während des Laufes !!) wurde sie dann doch wieder freigegeben.
  • Zwei Helfer waren 3 Stunden mit Schneeschuhen auf einer Strecke von 3 km unterwegs!!
  • Wir werden nicht 81 km laufen, nein, wegen der Streckenänderung 87 (Ultraherz was willst du mehr?)

Nebenbei wurden noch YAKTRAX Schneeketten verkauft. Wohl dem, der welche ergatterte oder bereits hatte.

Schneeketten

Anschließend gings ins Jägerhaus am Kehr zum „Nudel am Buffet schaufeln" und „Flüssigkeitsverlust mit Weißbier ausgleichen". So gestärkt suchten wir unser Reiterstüberl auf, und freuten uns auf weitere Mitbewohner: Thomas Ehmke und Bill Nickl. Zwei UltraHasen und UTMB Bezwinger. Da sich die Pferde und ihren Reiterinnen bereits schlafen gelegt hatten, konnten wir bis 4:00 Uhr morgens unsere Träume genießen. Ab 5:00 Uhr war Frühstücksparty im „Alten Tanzsaal am Kehr" angesagt und das vom Feinsten: alles Bioprodukte so weit das Auge reicht. Gespannte Gespräche über die BC wurden geführt.

Frhstck

Auch ein Fernsehteam des NDR war mittlerweile unter uns. Hier der Trailer: http://www1.ndr.de/flash/mediathek/mediathek.html?media=ndsmag3574

Na ja, die Ansage im Fernsehen, dass sich hier Europas TopUltraLäufer treffen war schon ein wenig übertrieben. Aber die verrücktesten, das waren wir schon.

Um 6:00 Uhr schickte uns Hauptorganisator und Erfinder der Brocken-Challenge, Markus Ohlef, wie ein Feldherr auf einen Felsen stehend, mit dem inzwischen sprichwörtlichen „Brocken-Challenge 2010: Here we go!" auf die Strecke. Überwältigende Stimmung kam auf. Scharrten wir doch schon bereits mit den Hufen. Äh Schneeketten.

Stimmen wurden laut: Wir rocken den Brocken. Fackeln säumten die ersten 2 km die Strecke. und zauberten bizarre Schatten in den finsteren Wald. Bei welchem Sport gibt es so ein Feeling unter lauter Verrückten? Ich laufe, also bin ich.

Gemäß dem Leitspruch der BC:

Von der Gewalt, die alle Wesen bindet,
befreit der Mensch sich, der sich überwindet.

(J. W. v. Goethe)

Auf eine Beschreibung der Strecke werde ich der Länge halber verzichten. Ausführliche und sehr gute Berichte gibt es dazu unter:

http://www.brocken-challenge.de/home/berichte-fotos/berichte-fotos.html

Bis zur Verpflegungsstelle Barbis (km 42) war Laufen noch relativ gut möglich, aber dann ging es unter einer Bahnunterführung durch und dort hatte Frau Holle ganze Arbeit geleistet und ihre Betten kniehoch ausgeschüttelt. Ich dachte mir noch hallo, wer hat den Weg geklaut? Als ich vor mir einen Läufer durch den kniehohen Schnee spuren sehe, denke ich nur: ihm nach bevor der Weg wieder weg ist.

Knie

Stapfend, stramm wandernd, laufend, eiernd, rutschend, fluchend, lachend ging es dann weiter bis zum verdammt längsten Stausee der Welt (und der liegt nicht in China sondern im Harz. Ich schwöre). Der Oderstausee. Wir waren bereits 21 km seit der letzten Verpflegungsstelle gelaufen und haben den berüchtigten Entsafter überlebt, als wir endlich an eine Oase kamen. Der außerplanmäßigen Behelfsstation an der Erikabrücke. Dort wurden wir (wie auch an allen anderen Verpflegungsstellen) mehr als herzlich empfangen und versorgt. Das Verpflegungsangebot war super und bot alles was das Sportlerherz begehrt. Sogar frische Wurstsemmeln wurden geschmiert, unsere Trinkflaschen abgenommen und gefüllt und dann gabs das Beste was dir nach so einer Stauseeumrundung geboten werden kann: Hühnersuppe, wie bei Muttern. Ich taufte diesen Verpflegungspunkt das Paradies und die beiden Damen waren Göttinnen.

Paradies

So gestärkt erklomm ich noch die restlichen 25 km bis zum Brockengipfel. Es wurde zu einer gemütlichen Winterwanderung durch den verschneiten Harz. Wir bewegten uns gut unterhaltend auf Langlaufloipen und wurden das eine oder andere mal von Langläufern angesehen als kämen wir vom Mond. Auf die Frage von einem älteren Herrn wo ich den her komme und wo ich hin wolle antwortete ich wahrheitsgemäß ich komme von Göttingen und laufe nun zum Brocken hoch. Ich glaub er dachte, ich nehme ihn auf den Arm. Er schüttelte nur ungläubig den Kopf und wanderte weiter. Ich wollte ihm noch sagen, dass noch mehr meiner Spezies folgen.

winter

Eigentlich hasse ich wandern und bin deswegen ja Läufer geworden, aber ich muss gestehen, heute machte mir diese Art der Fortbewegung Spaß.

78

Spaß hatten wir auch, als wir knapp 7,8 vor dem Ziel die letzte Verpflegungsstelle erreichten. Die Jungs und Mädels am Stand hatten echt Spaß mit uns. Gut gelaunt haben wir uns verpflegen lassen uns so nebenbei erfahren, dass wir zur ersten Hälfte gehören und noch total locker aussehen (welche Lügen man nach 80 km noch glaubt *grins*). Die Ersten hätten vor Anstrengung Probleme mit dem Halten des Teebechers gehabt.

hoch-

Hoch zum Brocken ging es noch über zwei verdammt steile Rampen. Nach der ersten konnte ich noch die letzte Brockenbahn bergab fahren sehen und wäre fast von einem überforderten Langläufer erlegt worden. Welch schrecklicher und eines Ultras unwürdiger Tod.

Am Brocken angekommen (es war bereits dunkel) wurde ich von drei Damen frenetisch ins Ziel gepeitscht. Ich schnappte mir gleich eine fürs Zielfoto. Die Brockenhexen habe ich Gott sei Dank nicht gesehen. Glücklich und zufrieden habe ich dieses Abenteuer nach 12:26 Std. überstanden.

Ziel

Im extra für uns reservierten Teil der Gaststätte wurde jeder neu Ankommende wie ein Sieger gefeiert. Nach dem Duschen gab es eine lecker Erbsensuppe und ein nach dem bayerischen Reinheitsgebot gebrautes isotonisches Sportgetränk: Weißbier !!!! Mensch, war das gut.

prost

Nachdem das Wetter am Brocken immer schlechter wurde und der Rücktransport vom Brocken nach Schierke an Stelle der 4 nur mit 2 Fahrzeugen durchgeführt werden konnte hoffte ich bald auf mein Hotelbett. Aber das dauerte noch, denn plötzlich kam die Meldung: der Brocken macht dicht, die Straße vereist, wir können den Transfer nach Schierke nicht mehr durchführen und müssen zu Fuß die Strecke bewältigen. Ca. 10 km nach diesem Lauf und bei Nebel, vereister Strecke und ohne trockene Klamotten. Ich hatte noch Glück einen der wenigen freien Plätze nach unten zu ergattern. Etwa 50 Teilnehmer machten sich dann zu Fuß auf nach Schierke und erreichten gegen 0:06 Uhr den letzten Bus nach Göttingen.

Ich lag gegen 1:00 Uhr glücklich und erschöpft zugleich nach diesem tollen Lauferlebnis in meinem Bett und schlief ein.

Und so wurde ich zuhause empfangen:

zuhause

Infos zur Brocken Challenge unter: www.brocken-challenge.de

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 02. März 2010 um 21:51 Uhr
 
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